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Raneb
Raneb, auch Nebra gelesen, war der zweite Pharao der 2. Dynastie. Nach der Chronologie von E. Hornung (2006) endete seine Regierung um 2700 v. Chr., ihr Beginn ist nicht datiert. Er war der erste Pharao, dessen Name das Zeichen der Sonne enthält, und aus seiner Regierung stammen die älteste bekannte Darstellung der Göttin Bastet, die älteste in Granit gearbeitete königliche Namensstele und Felsinschriften mit seinem Namen im Süden des Sinai.
- Regierungszeit
- Bis ca. 2700 v. Chr. (E. Hornung, 2006), wohl 10 oder 14 Jahre. Manetho nennt 39
- Dynastie
- 2.
- Vorgänger
- Hotepsechemui
- Nachfolger
- Ninetjer
- Königsnamen
- Horusname Nebra, „Herr der Sonne“, oder Raneb, „Re ist mein Herr“, Nebti-Name Nebra. Spätere Königslisten: Kakau
- Manetho
- Kaiechos, 39 Jahre
- Grab
- Unbekannt, wahrscheinlich Sakkara
- Wichtigste Quellen
- Steingefäße, Siegelabdrücke aus Sakkara, eine Granitstele im Metropolitan Museum of Art, Felsinschriften im Sinai, Manetho
Herr der Sonne
THEMA EINS
Der Name des Raneb ist der erste Königsname, der die Hieroglyphe der Sonne, Re, enthält. Traditionell wird er Raneb gelesen und mit „Re ist mein Herr“ übersetzt. Viele Ägyptologen bezweifeln diese Lesung, weil die Sonne damals offenbar noch nicht als eigenständiger Gott verehrt wurde. Sie ziehen Nebra vor, „Herr der Sonne“, im Sinne von Horus, dem Falkengott des Königtums, der über die Sonne herrscht. Der Sonnengott Re ist ab dem Beginn der 3. Dynastie in Personennamen belegt, und der erste Pharao, der Re in seinen Geburtsnamen aufnahm, war Radjedef in der 4. Dynastie. Manche Forscher sehen im Namen des Raneb einen frühen Schritt hin zur späteren Vorstellung vom Pharao als Sohn des Sonnengottes.
Dauer der Regierung
THEMA ZWEI
Der Turiner Königspapyrus ist an dieser Stelle beschädigt, seine Angabe für Raneb ist verloren. Manetho, der ihn Kaiechos nennt, gibt ihm 39 Jahre, was Ägyptologen für einen Fehler oder eine Übertreibung halten. Rekonstruktionen der Königsannalen auf dem Palermostein legen nahe, dass Raneb und Hotepsechemui zusammen etwa 39 Jahre regierten, und da von Raneb weit weniger Zeugnisse erhalten sind, war sein Anteil der kleinere. Ägyptologen schreiben ihm daher etwa 10 oder 14 Jahre zu. Die absoluten Daten schwanken je nach Chronologie stark, von etwa 2850 bis etwa 2700 v. Chr.
Götter und Kulte
THEMA DREI
Inschriften auf Steingefäßen aus Schiefer, Alabaster und Marmor, vor allem in Abydos, Gizeh und Sakkara gefunden, zeigen Kultbauten, Gottheiten wie Bastet, Neith und Seth sowie religiöse Feste. Unter Raneb findet sich die älteste bekannte Darstellung der Bastet, der Löwengöttin von Bubastis, die später als Katze dargestellt wurde. Eine Steinschale zeigt die Namen des Hotepsechemui und des Raneb nebeneinander vor der Göttin. Gefäßaufschriften und Siegel verzeichnen auch Ereignisse wie das „Aufrichten der Pfeiler des Horus“. Manetho fügt hinzu, unter Kaiechos seien die Stiere Apis in Memphis und Mnevis in Heliopolis sowie der Bock von Mendes zu Göttern erklärt worden. Heutige Forscher bezweifeln dies, da der Apiskult schon in der 1. Dynastie belegt ist.
Die Granitstele
THEMA VIER
Eine etwa einen Meter hohe Granitstele, heute im Metropolitan Museum of Art in New York, trägt den Horusnamen des Raneb in einem Serech, einem Rahmen in Form einer Palastfassade, gekrönt vom Falken des Horus. Sie gehört zu einer Reihe königlicher Namensstelen der 1. und 2. Dynastie, die meisten davon aus Abydos, und ist die älteste erhaltene, die in Granit als Relief gearbeitet wurde. Sie soll bei Memphis gefunden worden sein, was dafür spricht, dass Raneb in Sakkara bestattet wurde.
Expeditionen in den Sinai
THEMA FÜNF
2012 veröffentlichten die französischen Ägyptologen Pierre Tallet und Damien Laisnay drei Felsinschriften mit dem Horusnamen des Raneb im Süden des Sinai, in den Wadis Abu Madawi, Abu Koua und Ameyra. Sie liegen an einem alten Weg, der von der Westküste der Halbinsel ins Landesinnere zu den Kupfer- und Türkisminen führt. An denselben Stellen sind Namen von Herrschern aus der Zeit vor der 1. Dynastie bis zur 4. Dynastie eingeritzt, die Inschriften zeigen also, dass ägyptische Expeditionen auf der Suche nach Kupfer und Türkis auch unter Raneb weitergingen.
Familie, andere Namen und Grab
THEMA SECHS
Die Gemahlin des Raneb ist unbekannt. Ein „Königssohn“ namens Perneb, der auch Priester des Gottes Sopdu war, könnte sein Sohn gewesen sein, doch Pernebs Siegel stammen aus einem Grab, das sowohl Raneb als auch Hotepsechemui zugeschrieben wird, sein Vater ist also unsicher. Auch Ninetjer, der nächste Pharao, könnte ein Sohn des Raneb gewesen sein. Siegelabrollungen mit den Namen des Raneb und des Hotepsechemui, die in Sakkara zusammen gefunden wurden, legen nahe, dass Raneb seinen Vorgänger bestattete und ihm unmittelbar nachfolgte. Die späteren Königslisten nennen ihn wohl Kakau, einen Namen mit dem Wort für Stier, und manche Forscher halten ihn auch für den Herrscher, der aus einigen Gefäßinschriften als Weneg oder Nubnefer bekannt ist, doch diese Gleichsetzungen sind umstritten. Sein Grab ist nicht gefunden. Vielleicht teilte er das Galeriegrab A in Sakkara mit Hotepsechemui.
Fazit
THEMA SIEBEN
Raneb gehört zu den am wenigsten bekannten Pharaonen der Dynastie, und fast alles, was aus seiner Regierung erhalten ist, betrifft Kulte und Verwaltung. Doch sein Name mit dem Zeichen der Sonne, die älteste Darstellung der Bastet und die erste königliche Granitstele zeigen, dass wichtige religiöse und künstlerische Veränderungen im Gange waren. Sein Nachfolger Ninetjer sollte etwa vierzig Jahre regieren.
Wichtige Daten
- ca. 2700 v. Chr.Ende der Regierung des Raneb, nach E. Hornung (2006).
- 10 oder 14 JahreDauer seiner Regierung nach Schätzung der Ägyptologen.
- 2012Drei Felsinschriften mit seinem Namen im Süden des Sinai werden veröffentlicht.